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Pflegebedürftig – und dann? Ein reger Diskussionsabend in Bruckmühl

„Pflegebedürftig – und dann?“ – so lautete das Thema einer Fraktion-vor-Ort-Veranstaltung zu der die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Angelika Graf (SPD) in den Landgasthof „Großer Wirt“ in Bruckmühl eingeladen hatte. Über 70 Gäste zeigten, wie sehr diese Frage viele Menschen bewegt. Die Rosenheimer SPD-Bundestagsabgeordnete hatte als Experten Gerhard Schöndorfer von der AOK Direktion Rosenheim, Robert Metzger von der Gewerkschaft ver.di Rosenheim und Thomas Gögerl, Leiter des Katharinenheims in Bad Endorf eingeladen. In Ihrem Referat stellte Graf zunächst die Eckpunkte des Orientierungspapiers „Pflege“ der SPD-Bundestagsfraktion vor und erläuterte die kommenden Herausforderungen. Der Pflegebedarf bei über 80jährigen Menschen liege bei 29 Prozent. Durch die älter werdende Gesellschaft werde sich die Anzahl der Pflegebedürftigen bis 2050 nahezu verdoppeln, die Zahl der Personen, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen können, werde aber abnehmen. Die Pflegeversicherung hätte sich bis heute bewährt, eine Reform sei aber unausweichlich, mahnte Graf. Insbesondere müsse der Pflegebedürftigkeitsbegriff endlich erweitert werden, um Demenzkranke besser einzubeziehen, so die Abgeordnete. Sie kritisierte, dass es in Bayern trotz Bundesförderung bisher so gut wie keine Pflegestützpunkte gebe. Eine zentrale und wohnortnahe Anlaufstelle mit neutraler Beratung für Angehörige sei jedoch sehr wichtig, kritisierte Graf. Ebenso sei der Mangel an Pflegekräften nur durch eine bessere Bezahlung, eine Entlastung der Pflegepersonen sowie einer Reform der Aus- und Weiterbildung zu ändern. Eine Herausforderung sei daher die Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung, eine Zwei-Klassen-Pflege müsse verhindert werden und Graf plädierte daher für eine „Bürgerversicherung Pflege“.

In der anschließenden Diskussion forderte auch Gerhard Schöndorfer einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, die Unzufriedenheit sowohl der Pflegebedürftigen als auch der Pflegepersonen sei nachvollziehbar. Der Gesetzgeber müsse die vorgegebenen Rahmenbedingungen erweitern, konstatiert Schöndorfer. Man versuche mit den vorhandenen Mitteln dennoch, den Bedürfnissen der Betroffenen in hohem Maße gerecht zu werden. Robert Metzger erklärte, dass die Rahmenbedingungen wie Endgeld, Arbeitszeit und sowie die psychische Belastung für die Leistungsfähigkeit der Pflegekräfte ausschlaggebend seien. Es gäbe Fehler in der Ausbildungssystematik. Notwendig sei zudem ein gesetzlicher Mindestlohn. Gögerl vom Katharinenheim Bad Endorf kritisierte dagegen die „gewollte Akademisierung“ der Pflegeausbildung als Hemmschuh für den Beruf.

Die Kritik vieler Besucher der Veranstaltung am Zeitaufwand durch die Dokumentation der Pflege für den medizinischen Dienst der Krankenversicherung wurde von allen Experten unterstützt. Nur eine Dokumentation im Rahmen sei sinnvoll.

Graf sowie die Teilnehmer der Gesprächsrunde bedankten sich am Ende der Veranstaltung für die engagierte Diskussion und die konstruktive Kritik der Besucher, die sie für ihre künftige Arbeit verwenden wollten.

 
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